Beschreibung
Textile kaukasische Mythologie in Indigo:
Dieser antike Zeywa aus dem 19. Jahrhundert ist ein herausragendes Zeugnis kaukasischer Knüpfkunst. Auf einem tiefen, nachtblauen Grund entfaltet sich eine streng geometrische Komposition, die durch ihre archaische Symbolik und handwerkliche Präzision besticht.
Die Komposition: Strahlenmedaillons und unendlicher Rapport
Drei monumentale Zejwa-Strahlenmedaillons bilden die zentrale Achse des Entwurfs. Flankiert werden sie von vier versetzt angeordneten, farblich variierenden Halbmedaillons, die durch die Bordüre angeschnitten werden. Dieses klassische gestalterische Mittel verleiht dem Feld eine optische Weite, die über die physischen Grenzen des Teppichs hinauszudehnen scheint.
Typologische Einordnung:
Obwohl die markante Komposition auf den ersten Blick eine starke ikonographische Verwandtschaft zu den kaukasischen Adler-Kazaks (Chelaberd-Typus) aufweist, offenbart die typologische Analyse wesentliche Distinktionsmerkmale. Während das Strahlenmotiv bei Kazak-Provenienzen meist raumgreifender und flächiger interpretiert wird, zeigt dieser Zeywa eine für den Nordost-Kaukasus charakteristische, filigrane Binnenzeichnung. Die formale Strenge der Medaillons tritt hier in einen spannungsreichen Dialog mit der hohen ornamentalen Dichte des Feldgrundes, was dem Stück eine eigenständige sammlerhistorische Relevanz verleiht.
Ein Mikrokosmos kaukasischer Symbolik:
Der Feldgrund ist dicht gefüllt mit einer Vielzahl kleiner Symbole, die erst bei näherer Betrachtung ihre volle Detailtiefe offenbaren:
• Stilisierte Tiersymbole und florale Motive als Abbild der kaukasischen Lebenswelt.
• Sterne und Hakenrauten, die in der Tradition der Knüpfer als archaische Schutzzeichen fungieren.
Größe: 220x135cm
Herkunft: Ost-Kaukasus, Kuba Gebiet
Alter: 19. Jahrhundert
Vergleichende Literatur: Eder, Doris: Orientteppiche. Band 1: Kaukasische Teppiche. München 1979, Nr. 404






